Weitere Projekte des Overbeck-Museums

Zum 20. Museumsgeburtstag: Partnerausstellung im Heimatmuseum Keitum auf Sylt

"Hier ist es also ganz wundervoll!" - Die schönsten Sylt-Bilder von Fritz und Hermine Overbeck

Das Tosen der blauen Brandung, das Rote Kliff in der Morgensonne oder die weißen Friesenhäuser in List – dies sind nur einige Eindrücke, die Fritz und Hermine Overbeck auf ihren Sylt-Bildern eingefangen haben. Ob große Ölgemälde oder kleine Studien, in immer neuer Weise haben sich die beiden Worpsweder Maler den Inselmotiven angenähert. Ihre schönsten Arbeiten sind vom 19. Juni bis 14. November 2010 im Heimatmuseum Keitum zu sehen. In Kooperation mit dem Overbeck-Museum, Bremen, zeigt das Haus unter dem titelgebenden Zitat Fritz Overbecks „Hier ist es also ganz wundervoll!“ eine breite Auswahl an strahlenden Sommerbildern, Wellen- und Dünenlandschaften.

Rund 60 Gemälde der Overbecks sind im Keitumer Museum zu sehen. Ergänzt werden die Inselmotive um einige wichtige Arbeiten aus Worpswede, der Künstlerkolonie im Teufelsmoor nahe Bremen, zu deren Gründungsvätern Fritz Overbeck (1869 – 1909) zählt. Das Overbeck-Museum in Bremen-Vegesack betreut den Nachlass der Künstlers und seiner Frau, der Malerin Hermine Overbeck-Rohte (1869 – 1937). 2010 feiert das Haus sein 20-jähriges Jubiläum und präsentiert sich aus diesem Anlass mit einer großen Sonderausstellung auf Sylt. Insgesamt drei Mal weilte Fritz Overbeck zwischen 1903 und 1907 auf der Insel. „Hier ist es also ganz wundervoll“, schrieb der Maler im September 1903 begeistert an seine Frau. „Vom ersten Moment fand ich Gefallen an dieser großen einfachen Landschaft. (…) Nichts Unwesentliches stört die Stimmung. Wir müssen unbedingt hier mal zusammen sein!“

Auf Sylt hat Fritz Overbeck entscheidende Impulse für sein Schaffen empfangen: Seine Farbpalette frischte auf, so dass der Künstler im Gegensatz zu den oft düster wirkenden Moorlandschaften aus Worpswede plötzlich farbenfrohe Meeresbilder in leuchtenden Türkis- und Blautönen malt. Auch der helle Dünensand bietet eine erfrischende Abwechslung zu den dunklen norddeutschen Eindrücken, und so finden sich in der Folge helle Gelb- und Ockertöne auf den Bildern des Malers. Die Anregungen, die Fritz Overbeck auf Sylt erhält, werden wegweisend für seinen neuen Stil sein: 1905 verlässt der Maler Worpswede, um sich in „Bröcken“ bei Vegesack (heute im Stadtteil Bremen-Nord unweit des jetzigen Overbeck-Museums) niederzulassen. Mit diesem Ortswechsel verbindet sich auch ein künstlerischer Neuanfang. Die Aufbruchsstimmung der Sylter Werke überträgt Overbeck in seine impressionistisch anmutenden, oft sonnendurchfluteten Vegesacker Bilder.

Aber nicht nur die neue Farbgebung hat der Maler von der Insel mitgenommen, er erweitert darüber hinaus auch seine Motivwelt und verändert den Bildaufbau: Im Teufelsmoor hatte er sich einen Namen als „der Worpsweder Wolkenmaler“ gemacht, indem er dem Himmel typischerweise zwei Drittel der Bildfläche einräumte, während der Vordergrund nur etwa ein Drittel beanspruchte. Die Sylter Natur nun fordert Fritz Overbeck zu neuen Sichtweisen heraus: Der Himmel tritt immer stärker zurück zugunsten neuer Seheindrücke von tosenden Wellen oder dekorativ geschwungenen Dünenstücken. Das Bildverhältnis kehrt sich um - die Wolken bestimmen häufig nur noch die Hälfte oder das obere Bilddrittel, der Vordergrund aus Wasser und Sand nimmt jedoch oft zwei Drittel der Bildfläche ein.

Auch diese Erfahrungen nutzt Overbeck für sein Spätwerk: Das Element Wasser greift er zunehmend in seinen Flusslandschaften aus dem Bremer Auetal auf, und die Perspektive des Betrachters wird auf den Vegesacker Arbeiten regelmäßig durch Bäume im Bildmittelpunkt verstellt, die den Blick auf den Himmel einschränken, oft ist der Himmel sogar kaum mehr zu sehen. Als letzte Sylter Errungenschaft mag schließlich das Experimentieren mit modernen Strömungen gelten: Fritz Overbeck war zeitlebens aufgeschlossen aktuellen Anregungen gegenüber und gilt heute als fortschrittlichster der Alten Worpsweder. Nach dem frühen Naturalismus der Worpsweder Arbeiten wird Overbeck in seinen Sylt-Bildern zunehmend flächiger - er reduziert die Landschaft auf das Wesentliche statt möglichst viele Details seiner Umgebung einzufangen. Diese Reduktion auf geometrische Grundformen und flächenhafte Darstellung war wegweisend für die moderne Kunst des 20. Jahrhunderts, und Overbeck präsentiert sich mit solch fortschrittlichen Arbeiten ganz auf der Höhe seiner Zeit.

Nur zwei Jahre nach seinem letzen Sylt-Aufenthalt 1907 bricht die Laufbahn des Malers unvermittelt ab: Im Alter von gerade einmal 39 Jahren starb Fritz Overbeck plötzlich an einem Hirnschlag. Nach seinem frühen Tod 1909 wandelte seine Frau Hermine auf den Spuren des Künstlers. Im Andenken an ihn hat sie in den Jahren vor dem ersten Weltkrieg selbst Reisen an die Nordsee unternommen und so den reichen Nachlass ihres Mannes um eigene Interpretationen der abwechslungsreichen Dünen- und Heidelandschaft ergänzt. Zum Teil lassen sich die Arbeiten der beiden Künstler kaum voneinander unterscheiden, auch wenn Hermine Overbeck-Rohte eher vertraute Worpsweder Motive auf die Inselwelt übertragen hat und etwa immer wieder die typischen Reetdachhäuser, die sich auch im Teufelsmoor finden, auf ihren Ausflügen nach List, Wennigstedt oder Kampen im Bild festhält. Doch auch sie kann sich der Faszination der Wasserläufe und Sandberge am Ufer des weiten Meeres nicht entziehen. Das Ergebnis der Syltreisen von Fritz und Hermine Overbeck sind daher eine Reihe zauberhafter Ansichten von der Lieblingsinsel des Malerpaars, die auch heute noch Lust machen, Sylt neu zu entdecken.
 


20 Jahre Overbecks im Alten Packhaus Vegesack

Am 22. April 1990 wurde die erste Overbeck-Schau in Vegesack eröffnet. Zusammen mit dem KITO, das ebenfalls in der Alten Hafenstraße 30 residiert, hat sich Alte Packhaus mittlerweile zu einer der wichtigsten kulturellen Einrichtungen im Bremer Norden entwickelt. Besonders seit dem großen Erfolg der Ausstellung „Ich bin nicht sentimental. Fritz Overbeck zum 100. Todestag“ im Sommer 2009 ist das Overbeck-Museum in aller Munde. Über 10.000 Besucher aus ganz Deutschland und darüber hinaus kamen 2009 nach Vegesack, um die Werke der Overbecks zu sehen.

Gertrud Overbeck, die Enkelin von Fritz und Hermine Overbeck, hat vor zwanzig Jahren den Grundstein für das heutige Museum gelegt. Sie setzte sich dafür ein, einen Großteil der Overbeck-Bilder, die sich im Familienbesitz befanden, in eine Stiftung zu überführen und sie damit der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Darüber hinaus wird der Museumsbestand um viele Dauerleihgaben der Familie ergänzt. Seit 1990 hat die Kunst der Overbecks durch die regelmäßige Präsentation in Vegesack viele Liebhaber gefunden. Im Alten Packhaus werden immer Werke von Fritz und / oder Hermine Overbeck gezeigt, häufig in spannungsreichen Dialogen mit anderen Künstlern. Das Spektrum dieser künstlerischen Zwiegespräche ist weit gefasst von anderen Worpsweder Malern bis hin zu zeitgenössischen Arbeiten, die sich moderner Mittel wie Videoinstallationen und Computerprints bedienen.

Fritz Overbeck gehörte zu den Gründungsvätern der Künstlerkolonie Worpswede. Zusammen mit Fritz Mackensen, Otto Modersohn, Hans am Ende und Heinrich Vogeler hat er den Ruhm des Malerdorfs am Weyerberg begründet, der bis in die Gegenwart ausstrahlt. Hermine Rohte kam 1896 als Schülerin zu Fritz Overbeck und ließ sich mit ihm zusammen in Worpswede nieder, 1905 zog das Paar schließlich nach „Bröcken“ bei Vegesack. Ihr Wohnhaus steht noch unweit des heutigen Museums. Während Fritz Overbeck zu Lebzeiten zu den bekanntesten deutschen Landschaftsmalern gehörte, der vielfach für sein Werk ausgezeichnet wurde, wirkte seine Frau Hermine vor allem im Verborgenen. Sie hat sich immer als Schülerin ihres Mannes verstanden und ihre Arbeiten nie ausgestellt. Selbst ihre Kinder waren überrascht, als sie nach dem Tod ihrer Mutter 1937 im früheren Atelier Fritz Overbecks einen Stapel von 200 völlig unbekannten Studien Hermine Overbeck-Rohtes entdeckten. Das Overbeck-Museum macht das reiche Schaffen der Malerin erstmals öffentlich zugänglich, und nach der großen Begeisterung, die die Sonderschau mit den Bildern Fritz Overbecks in diesem Jahr ausgelöst hat, können sich Kunstliebhaber im Sommer 2011 auf eine große Retrospektive des Werks von Hermine Overbeck-Rohte freuen.

 

 

 


Fritz Overbeck: Zwischen Moorwänden